Heiße Tage machen vielen Menschen zu schaffen. Wir schlafen schlechter, sind schneller erschöpft, reagieren gereizter und können uns weniger gut konzentrieren. Kindern und Jugendlichen geht es da nicht anders als Erwachsenen. Oft brauchen sie aber mehr Unterstützung, um mit Hitze, Müdigkeit und innerer Unruhe gut umzugehen.
Forschende der Harvard Kennedy School haben Daten von mehreren Millionen Schülerinnen und Schülern ausgewertet. Ihr Ergebnis: Heiße Schultage können Lernen und Konzentration messbar erschweren. Eine weitere Harvard-Studie zeigte bei jungen Erwachsenen während einer Hitzewelle langsamere Reaktionen und mehr Fehler, wenn Wohnräume nicht ausreichend abkühlten. Auch eine europäische Untersuchung in JAMA Network Open deutet darauf hin, dass wärmere Temperaturen bei Jugendlichen mit mehr Aufmerksamkeitsproblemen einhergehen können.
Im Familienalltag zeigt sich die Hitze oft unspektakulär, aber deutlich: Ein Kind wird schneller wütend, ein Jugendlicher zieht sich zurück, Hausaufgaben gelingen kaum noch oder kleine Konflikte eskalieren schneller als sonst. Gerade Kinder und Jugendliche, die ohnehin psychisch belastet sind, sich in Behandlung befinden oder im Alltag viel Struktur brauchen, können an heißen Tagen empfindlicher reagieren.
„Wir erleben in unserer Arbeit immer wieder, dass äußere Belastungen innere Spannungen verstärken können. Hitze ist dabei kein alleiniger Auslöser psychischer Probleme, sie kann aber vorhandene Schwierigkeiten deutlicher sichtbar machen“, sagt Jens Kühntopp, Inhaber der Praxis VillaVie.
Planen Sie heiße Tage möglichst ruhig. Legen Sie wichtige Aufgaben in die kühleren Morgen- oder Abendstunden. Achten Sie auf ausreichend Getränke, leichte Mahlzeiten und regelmäßige Pausen. Dunkeln Sie Räume frühzeitig ab und sorgen Sie abends für möglichst viel Ruhe. Und auch die Erwartungen dürfen sinken: Nicht jeder Tag eignet sich für lange Hausaufgaben, schwierige Gespräche oder volle Programme.
Wichtig ist auch der Blick auf das Verhalten. Nicht jede schlechte Laune ist ein Warnsignal. Manchmal helfen schon Entlastung, Schlaf und weniger Druck. Wenn starke Gereiztheit, Rückzug, Schlafprobleme oder Ängste länger anhalten, sollten Eltern fachlichen Rat einholen.




